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Nächste Woche beginnt die Osterwoche – die Semana Santa – in Cusco. Die Osterfeiertage in Peru sind etwas anders, als bei uns in Deutschland und beginnen in diesem Jahr mit dem 14. April, dem Ostermontag. Dafür gibt es nach dem Ostersonntag keinen Ostermontag… Dieser Ostermontag ist wohl (ich habe es selbst noch nicht miterlebt) der wichtigste Festtag in Cusco. An diesem Tag wird der „Señor de los Temblores“ – übersetzt wäre das „der Herr des (Er)Zitterns/ Bebens“ – eine Jesusstatur durch die Gassen Cuscos getragen. An Tod und Auferstehung Jesu Christi wird in verschiedenen Zeremonien in der Osterwoche erinnert. Um an dem Montagsumzug teilzunehmen bzw. zuzusehen, kommen die Zuschauer – Cusqueños, Peruaner anderer Landesteile, Touristen aus aller Welt – bereits früh, um einen der beliebten Schauplätze auf dem Plaza de Armas zu ergattern.

Einigen Quellen nach soll die Figur vom Kaiser Carlos V speziell für die Menschen Cuscos angefertigt worden sein und nach Cusco geschickt worden sein. Bei der Anfertigung wurde darauf geachtet, dass die Statur den Figuren der indigenen Bevölkerung der Andenregionum Cusco ähnlich sah. Damit erhofften sich die Konquistadoren mehr Erfolg bei der Durchsetzung ihres Glaubens. Wenn es nur so sanft gewesen wäre…

Aber warum heiβt diese Jesusstatur „Señor de los Temblores“? Der Name und die Bedeutung dieses Tages rühren aus einem historischen Ereignis: am 31. Mai 1650 erschütterte ein Erdbeben Cusco. Die Einwohner – Indios, Reiche, Sklaven, Mestizen – versammelten sich gemeinsam um die Statur des „Señor de los Temblores“, um dort Gott um Schutz zu bitten. Diese gemeinsame Zusammenkunft gilt einem Wunder gleich, denn die sonstigen Konflikte und Hierarchieunterschiede schienen in diesem Moment vergessen. Dieses Abbild Christi ist also ein Hoffnungsbildnis (sie nennen ihn auch „General de la Esperanza“ (esperanza = Hoffnung)) und erinnert an die gemeinsame Zusammenkunft der verschiedenen Menschen durch die Erschütterung der Erde, auf der sie gemeinsam lebten. Man glaubt zudem, dass das leidende Angesicht dieses Christi und seine schwarze Farbe entstand durch den Leidenston und den schwarzen Rauch, der nach dem Beben in der Stadt stand und sich damit die Statur veränderte und für immer ein Mal davontrug.

Aber nun zurück in die Gegenwart! Auch heute gibt es die gemeinsame Zusammenkunft, die an diesen fern vergangenen Tag erinnert. Viele Menschen begleiten an diesem Festtag den Umzug mit laut gesprochenen Gebeten und Gesängen. Zudem wird in cusqueñischer Art ordentlich mit Feuerwerkskörpern rumgeballert.

Am Karfreitag ist nicht Tag des Fisches und der Enthaltsamkeit, wie bei uns in Deutschland, sondern es werden 12 verschiedene Gerichte gegessen. Das Ende der Karwoche ist der Ostersonntag, an dem nach der Messe natürlich auch wieder viel gegessen wird.

Essen und Zusammenkunft von Familien, Gläubigen, Gleichgesinnten – das ist das Wichtigste der Feiertage auch hier in Peru, so wie auch in Deutschland. Dennoch wird das unterschiedliche Feiern sehr interessant sein. Ich werde die Osterwoche halb hier und halb in Bolivien verbringen und mich nach dem Ostersonntag von Cusco verabschieden. Von der Stadt und den Menschen, die mir lieb geworden sind, von meinem Block und meinem Blog.

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http://www.cuscofestividades.info/semanasantaencusco.html

 

Mein Block

Ich wohne in der Nähe des Plaza San Blas, in dem Künstlerviertel Cuscos. Schon mein Hostel, in dem ich die erste Zeit hier verbrachte, liegt ganz nah an diesem Platz und für mich war ganz schnell klar, dass ich auch hier wohnen möchte. Dieser Artikel ist einer meiner letzten Blog-Artikel und widmet sich resümierend Lieblingsplätzen in meinem Block – der Gegend um den Plaza San Blas.

der Plaza San Blas – das Zentrum meines Blocks

 

Mein Block: Das sind kleine Gassen, die an die Strassen Italiens oder Spaniens erinnern. Das sind Kunsthandwerkläden mit Bildern, Schmuck, Taschen, Strickprodukten. Das sind immer wieder schöne Blicke von oben auf Cusco, verwinkelte Ecken und verwunschene Brunnen. Das sind Restaurants, Kneipen und Cafés. Das sind hippiemäβige und talentierte Straβenverkäufer aus ganz Südamerika, an denen man (als Frau) nicht ohne Geschenk oder Anmache vorbeikommt. Das ist manchmal auch Musik oder Capoeira auf der Plaza. Und das sind manchmal auch saftig grüne Graswegränder und Rapsgeruch. Und für mich ist es die Nähe zur Stadt und gleichzeitig die Nähe zum Berg, zum Rauskommen aus der Stadt.

Besonderen Charme haben doch immer wieder die Straβen. Sei es mit Treppenstufen runter (die man beim hochgehen dann allerdings mit ganz anderen Augen sieht) oder kakteenbepflanzten Erdmauern. Durch die Gassen zu klüngeln macht immer Spaβ und lässt mich manchmal in ein anderes Zeitalter versetzt fühlen. Nur die Straβe, die so viele Menschen anzieht –  die Inkasteinmauerstraβe – mag ich nicht. Eben weil sie so viele Menschen anzieht und es kaum ein Durchkommen gibt und ich die Begeisterung nur begrenzt verstehe.

  

 

Lichtspiel mit Laternen und Kakteen (Kiskapata)

 

Möchtet ihr einen Tag rund um den  Plaza San Blas verbringen, dann geht doch erst mal vom Plaza die Straβe Carmen Bajo weiter runter und im „Greenpoint“ auf der Terasse ein leckeres und ausgefeiltes Mittagsmenü essen (mit Salat, Suppe, Hauptspeise, Nachtisch – alles vegan, aber ohne Verzichtgefühl für 10 Soles). Danach ist Bewegung auch nicht schlecht. Oder ein Verdauungscafé? Den könnt ihr euch gut in der Straβe Tandapata holen im „Café Loco“ oder im „Pantastico“. In beiden (nebeneinanderliegenden) Cafés könnt ihr euren Kaffee (im Café Loco auch aussergewöhnlichere Teesorten) mit Panoramablick auf die Stadt genieβen. Oder ihr nehmt euch den Kaffee mit und badet mit Glück Sonne und sonst einfach Flair auf dem Plaza San Blas, nur einige Schritte weiter. Vielleicht habt ihr Glück und jemand macht Musik oder ihr könnt euch bei einem der euch umzirzenden südamerikanischen Hippiehändlern ein schönes handgefertigtes Schmuckstück kaufen und damit die Reisekasse des Verkäufers aufbessern.  Im Pantastico gibts übrigens leckeres Brot, was durch Zutaten wie Quinoa oder Maca anders ist, als das übliche Brot hier und nach was schmeckt. Auβerdem gibts tolle Leckereien. Mein Liebling ist der Bananenkuchen mit Schokostückchen: saftig, süβ und nur etwas sündhaft.

  

 

Tandapata in Richtung Plaza San Blas – viele Leckereien und artesanos

 

Wenn man die Tandapata nun von den Cafés aus weiter geht nicht in Richtung des Platzes, sondern gefühlt eher nach auβerhalb, kommt man nach einer Minute an einer Ecke vorbei, wo rechterhand der Mercado San Blas liegt. Möchtet ihr Gemüse kaufen, empfehle ich die erste Verkäuferin links, für Obst die mittlere Verkäuferin. Ich bin ja totaler Obstfreak und mein neues Lieblingsobst ist Pepino (das heiβt auch Gurke, ist aber total unterschiedlich). Total saftig-mhm. Probiert euch durch. Reisen geht durch den Magen.

 

der Mercado

 

Ok, mal weg vom Essen… Also wenn man die Tandapata weiter geht, wird die Straβe zu einem ungepflasterten Schotterweg, umgeben von Gärten, duftend nach Raps, der am Wegesrand wächst. Ein schöner Weg, aber lieber nicht nachts, da ist er gefährlich. Am Ende dieses Weges türmt sich vor euch schon der „Macchu Picchu für Arme“ auf – La mesa redonda („der runde Tisch“)– auch einer meiner Lieblinge. An dem Felsen könnt ihr bei Bachgeplätscher endlich mal auf einem Stückchen Wiese relaxen. Mit Blick auf Cusco natürlich mal wieder. Die Steine haben was mystisches, an einer Stelle soll man einen eingeritzten Kondor finden können.

   mesa redonda – grün…

 

Bewegt man sich von dort aus weiter hoch aus der Stadt, kommt man entweder an Höhlen vorbei oder einen anderen schönen Weg, der leider keinen Straβennamen trägt. Auf diesen Weg kommt ihr, wenn ihr von der Straβe Jardines del Inca, die oberhalb des mesa redonda liegt, eine der Treppen hochgeht. Bachgeplätscher, Blumenduft und Steine sind allgegenwertig. Jetzt gehts mal einmal aus meinem „Block“ raus, denn einer meiner absoluten Lieblingsplätze ist der Templo de la luna (der Mondtempel) oder besser gesagt die Gegend drumherum. Vom mesa redonda dauert es bis dahin etwa eine halbe Stunde, immer schön berghoch. Fragt nach dem Weg… Der Aufstieg ist schön und oben angekommen hat mans so gut: Weite, Wasser, der mystische Tempel, immer wieder alte Ruinen, Felder, Berge, Eukalyptusgeruch, das Gefühl, man könnte immer weiter und weiter und weiter gehen bis ans Ende der Anden. Man ist dort auch im Prinzip nicht weit von Qenko, Sacsayhuaman usw. entfernt, aber das sind keine Lieblingsorte von mir… Erkundet dort oben Höhlen, Ruinen, lauscht dem Bach, den Vögeln, spürt den Ort. Es ist toll.

   

 

auf dem Weg zum templo de la luna

 

der templo de la luna thront über Cusco

 

 

Wieder runter in die Stadt geht ihr wieder den Weg bis ihr an einem kleinen Platz herauskommt. Der ist ganz neu, hat einen im Dunkeln beleuchteten Brunnen und noch einen Brunnen mit einer Frauenstatur. Manchmal kann man dort Chicha de Quinoa kaufen. Wenn man von dort aus weiter rechts auf die Straβe Kiskapata hochgeht, läuft man vorbei an kaktusbepflanzten Erdmauern. Ich finde den Weg ganz besonders. Mein Ziel von da aus kann eigentlich nur eins sein: der Mirador. Der Mirador ist ein Aussichtspunkt auf Cusco mit einem netten Platz. Besonders im Dunkeln ist es dort schön, weil man nicht nur den Blick auf die Lichter Cuscos, sondern auch auf die Lichter des Himmels hat. Einfach auf eine Bank legen und hochschauen. Am Mirador obehalb gibt es eine Minibar mit einer Miniterrasse, die ich noch nicht ausprobiert hab, die aber sehr gemütlich aussieht. Auβerdem ist in einer Bar drauβen Bier trinken eine echte Ausnahme in Cusco. Etwa schicker und drinnen ist die „Limbo-Restobar“ unterhalb des Miradors, die quasi eine einzige verglaste Terrasse ist. Dort einen Cocktail bei Lifemusik schlürfen ist auch nicht schlecht. Von der Straβe aus führt euch eine Lichterschlange in die Bar hinein. Das hat Stil.

  1. der kleine Platz, wo es die Kiskapata hochgeht 2. der mirador 3. die Limbo-Restobar (in 2 ganz rechts unterhalb des Platzes zu sehen)

 

Es ist ja schon wieder Essenszeit mittlerweile! Geht weiter die Straβe Kiskapata entlang und dann die nächste Straβe links hinunter, in die Calle Siete Angelitos. In dieser Straβe der sieben Engelchen könnt ihr es euch munden lassen und zwar empfehle ich euch das „Saqras“ (es gibt zwei davon in der Straβe, ich empfehle atmosphärisch das zweite davon). Es ist dort sehr klein und gemütlich. Und warm, denn es gibt einen Steinofen, in dem leckere Pizza gebacken wird. Zu empfehlen ist dort ein Menü mit Pizza. Dort bekommt man Knobibrot, einen Mini-Wein oder Pisco Sour, eine Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch und einen alkoholfreien Drink. Meine Freundin und ich wir nehmen uns immer vor, dort nicht das Menü zu essen, denn man ist kugelrund danach. Wir schaffen es aber letztlich nie, nicht nach Hause zu rollen. Es ist eben lecker… Alternativ zu Pizza bekommt man auch die typischen cuequeñischen Tourimenüs, z.B. Alpaca.

Wer mal Lust auf was Anderes und Exquisiteres hat, der kann auch in das französische Restaurant „La Caverne del Oriente“gehen in der Tandapata. Blaue Schwingtüren lassen euch hinein in die kleine aber sehr feine Stube. Dort ist es auch wunderbar gemütlich, das Personal charmant, die Musik entspannt, die Weine gut und natürlich auch die Speisen, die teilweise französische und peruanische Küche raffiniert kombinieren. Der Renner ist Couscous mit Alpaca. Und wieder ist der Blick vom Minibalkon wunderschön und besonders am Tag in der Sonne zu genieβen.

 Blick aus der Caverne

Wer Lust hat, wegzugehen rund um San Blas, der kann in der Tandapata auf der Ecke Tandapata und Cuesta San Blas, also direkt am Plaza, fündig werden. Interessant ist das „Loggert“, dort gibt es viele Bilder zu bestaunen und oft Lifemusik, die auch mal etwas auβergewöhnlich oder experimentell sein kann. Gegenüber ist das „Km 0“, das ist mehr eine Kneipe und man kann unten auch rauchen. Dort wird auch jeden Abend Lifemusik gespielt, aber meist Cover. Ein Stückchen weiter ist das „Muse“ (oder „La musa“), das ist mehr was für die Reggaeliebhaber. Oben gibts eine nette Chilloutlounge. Unten auch oft Lifemusik, bei der man direkt mit dem meist Rastafari nebeneinander steht und tanzen kannt. Ich mag es, zwischendurch rauszugehen und einen Blick über den Plaza San Blas auf den Rest der Stadt zu werfen über der die Sterne stehen und mir zu denken: „Aah, hier bin ich. Das ist mein Block!“. Ja, ich mag ihn eben meinen Block…

 

 

 

Wenn man mal Lust hat, etwas Landluft zu schnuppern, dann kann man auf den Berg gehen oder besser gesagt auf einen der Berge, die Cusco einbetten, z.B. in die Gegend um Sacsayhuaman oder mein Geheimtipp zum templo de la luna, dem Mondtempel (mehr dazu nächste Woche). Wenn man aber Lust auf ein etwas anderes Klima hat und gerne eine kleine Spazierfahrt übers Land macht – ja dann ist es besonders einfach und schön ins Heilige Tal (Valle Sagrado) zu fahren.

Für mich Landei ist es jedes Mal ein Aufatmen, wenn ich die kurvigen Strassen aus der Stadt heraus fahre und so viel sattes Grün sehe. Dabei ist es mir dann auch egal, ob ich bequem im colectivo (Kleinbus) oder Bus sitze oder kuschelig eingedrängt zwischen bepackten Omis und Kindern stehe.

  Land(schaft) und Leute

 

Es gibt zwei Routen, die ich kenne, wie man ins heilige Tal mit den öffentlichen Verkehrmitteln fahren kann: Eine führt über Pisac und die ganzen Dörfer, die an der am Fluss Vilcanota herführenden Strasse liegen, und endet in der Kleinstadt Urubamba. Die ganze Fahrt bis Urubamba würde etwa 2 Stunden dauern. Der andere Weg geht direkter nach Urubamba und auf dem Weg kommt man an der Abzweigung vorbei, die nach Chinchero und Maras/ Moray führt. Auf diesem Wege hat man Urubamba nach etwa 1-1,5 Stunden erreicht. (Infos, wie ihr dahin kommt unten…)

Aber die Frage ist ja, was ist denn so schön am Heiligen Tal ausser sein Name? Welche Orte lohnen einen Besuch?

 

Was ich besonders schätze am Valle Sagrado ist sein Klima und das Wasser, das so allgegenwärtig ist. Obwohl man sich ja nicht weit von Cusco entfernt, befindet man sich im gesamten Tal in einem wärmeren Klima. Das heiβt, es ist mild und auch, wenn die Sonne nicht scheint, einfach wärmer und sommerlicher, auch am Abend. „Sanft“ ist das Wort, was das Tal insgesamt für mich beschreibt. Ja und das Wasser: zum Einen ist da der Rio Vilcanota und der Urubambafluss, die auch dazu führen, dass das Tal so fruchtbar und grün ist. Auβerdem flieβen in die groβen Flüsse von allen Bergseiten immer wieder kleine Bäche und Flüsse. Flussrauschen ist also ein ständig vorhandenes Geräusch dort. Wie ich finde, ein Geräusch mit sehr beruhigender, meditativer Wirkung.

 

Die nächste Stadt von Cusco aus, ist Pisac mit einer Fahrzeit von etwa einer halben bis dreiviertel Stunde. Pisac ist ein kleines, geordnet wirkendes Örtchen mit Flair und bekannt für seinen Kundhandwerkmarkt, vor allem an Sonntagen.Der Hauptplatz liegt oben in der Stadt am Fuβe des Berges und ist hübsch. Auf dem Weg dorther findet man auch kleine alternative Lädchen mit Ökoprodukten aus eigener Herstellung, Bäckereinen und eine Menge Restaurants. Zum Beispiel auch eines einer deutschen Frau Namens „Ulrike´s Café“, welches eine sonnige Dachterrasse hat und leckeren Kuchen (Calle Pardo 613). In den Gassen oberhalb des Plaza de Armas oder auch darauf befindet sich der Markt. Auβerdem gibt es archäologische Ruinen in Pisac zu besichtigen. Pisac hat den Ruf einer Hippiestadt, was heiβen soll, dass sich recht viele spirituell und esoterisch angehauchte Menschen verschiedenster Nationalitäten in der Gegend von Pisac niedergelassen haben und es auch relativ viele Angebote (im gesamten heiligen Tal eigentlich) gibt, was Meditation, schamanische Zeremonien, Heilpflanzenzeremonien (mit Ayahuasca und San Pedro) o.ä. angeht.

Hauptplatz in Pisac, hier mit Karnevalstrubel

 

Fährt man weiter auf der Straβe Richtung Urubamba, kommt man erst durch das Dorf Coya. Das kenne ich selbst nicht… Dann geht es weiter durch Lamay, welches ich auch nicht kennengelernt habe, aber mir aufgefallen ist durch seine zahlreichen Stände oder offenen Restaurants am Straβenrand, in denen man Meerschweinchen (cuy) essen kann. Die brutzelten auf Spieβen wie kleine Spanferkelchen über dem Grill, zubereitet von kräftigen Mamitas. Preise konnte ich leider nicht sehen, aber ich denke, dass es um einiges ökonomischer ist, als in einem cusqueñischen Restaurant. Auβerdem hatte es Flair…

 

Dann gehts weiter nach Calca, einer kleinen etwas verschlafenen und sehr gepflegten Stadt mit blumenbepflanzten Grünstreifen und einem groβen Plaza de Armas. Der Ort ist ganz schnuckelig, ruhig und was ich besonders mochte, sind einige Bäume, die so riesig sind, dass man sich in ihnen ein Haus bauen könnte. Calca ist auβerdem Knotenpunkt, um von dort weiterzufahren nach Lares, was bekannt ist für seinen warmen Thermalquellen (aguas termales/aguas calientes). Die Fahrt dauert ungefähr 2 Stunden. Man kann auch in die 15-Minuten entfernten warmen Bäder nach Machacancha fahren, die allerdings nur lauwarm sind bzw. eher etwas kühl. Auβerdem wurde mir mal der Tipp gegeben, dass es Heilwasser in einem Bad auf der anderen Seite des Flusses gebe. Was auch stimmt, jedoch handelt es sich dabei um Heilwasser zur Körperreinigung von innen, das heiβt Abführen. Kann auch interessant und wohltuend sein, ist aber eher das Gegenteil von einem Entspannungsbad. Direkt gegenüber vom Busterminal in Calca gibt es aber ein Freibad mit einem kleinen Spielplatz. Das Wasser ist zwar ziemlich kalt, da nicht beheizt, dennoch war es für mich ein Genuss unter dem Bergpanorama meine Bahnen zu ziehen und danach meine Haare beim Schaukeln von Wind und Sonne trocknen zu lassen.

einer der mich so faszinierenden Bäume in Calca, natürlich gelegen an einem Fluss

 

Mein anderer persönlicher Tipp: ihr könnt wunderschöne kleine Pfade den Berg hoch gehen bei Machacancha. Die Wege führen euch durch Dörfer, vorbei an mit Lupinen und Kartoffeln bepflanzten Hangterrassen, an Ochsen und Schafen, Felsen und Bächern. Ich bin dort abends bei Vollmond- und Sternenschein 5 Stunden den Berg hochgekraxelt, nur um ganz oben zu zelten. Und es hat sich gelohnt. Aufwachen über den Wolken, mit Blick auf einen schneebedeckten Berggipfel und über das Tal, die Schwalben und Falken zogen über uns ihre Kreise, die Luft war so rein, Schafe wurden umhergetrieben. Wunderschön und zum Verweilen einladend.

 

Fährt oder geht man nun weiter aus Calca Richtung Urubamba, gibt es am Ortsausgang von Calca interessante Terrassen rechterhands, die man hoch gehen kann und wo man (laut Aussagen einer Freundin) an einen ganz besonderen Kraftort kommt, den man – erinnere ich mich richtig – durch einen groβen Baum erkennen kann, der ihn schmückt. Noch etwas weiter kommt man an dem „museo Inkariy“ vorbei, einem historischen Museum über die ersten Kulturen Perus.

 museo de Inkariy

 

Ein Stück weiter hinter Calca, immer noch auf der Straβe nach Urubamba, fährt man durch Huaran. Dort habe ich mal eine Freundin besucht, die dort ein Haus gehütet hat. Ich fand die Natur dort ganz bezaubernd und kann einen Unterkunftstipp für gröβere Geldbeutel geben: das „Greenhouse“. Ich war selbst nicht dort, habe aber in der Nachbarschaft geschlafen und das Haus gesehen und war begeistert. Dort kann man die Seele baumeln lassen, sich durch Flussrauschen in den Schlaf wiegen lassen und das in einem sehr schönen, häuslichen Ambiente. Das Haus bietet auch einige Freizeitaktivitäten wie Rafting oder Reiten an.

 

 

Huaran: Fluss, Berge – mittendrin

 

Urubamba scheint mir der gröβte der Orte im heiligen Tal zu sein. Besser noch als über Pisac und die ganzen benannten Orte kann man die Kleinstadt direkt erreichen, indem man in der Calle Grau von Cusco aus startet. Schon bevor man in den Ort fährt, wird einem ein schöner Blick freigegeben, da man von oben aus den Bergen in die Stadt hinabfährt. Man muss nur aufpassen, dass man rechtzeitig an der Strasse, die am Ort vorbeiführt aussteigt (gut ist die Tankstelle). Dann kann man die Stadt durch kleine gemütliche Gässchen hinaufgehen, über den mercado schlendern und an einem der Essensstände ein Menü verzehren oder einen frischen Saft genieβen und anschlieβend am Fluss entlang weiter hinaus aus der Stadt in die Berge spazieren. Sehr schön ist es auch, einfach den gemütlichen Rummel von einer der Bänke auf dem Plaza de Armas zu genieβen.

 

Mototaxis auf dem Plaza de Armas in Urubamba und Gang von weiter oben in die Stadt hinunter

 

Das Heilige Tal: das sind freundliche Menschen, Landwirtschaft, Mototaxis, mildes Klima, Berge, Flussrauschen, satte Landschaft, tolle Gerüche, Sterne, Dörfer, Einbettung. Und alles gehört noch zum Bezirk Cuscos, nicht unweit von seiner Stadt…

 

Hinkommen von Cusco: Es gibt mindestens zwei Bus- und Collectivoterminals ins heilige Tal. Nach Urubamba fahren die Busse ab der Calle Grau (Kosten: 5-6 Soles). Auch nach Urubamba, aber eine andere Route, die vorher u.a. noch über Pisac und Calca führt, fahren die Wagen ab Calle Puputi (auch 5-6 Soles). Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, z.B. ab der Avenida Huascar. Alle Stationen sind nicht unweit von der Avenida de la Cultura entfernt. Es ist aber auch immer (zumindest auβerhalb der Stadt) möglich, auf dem Weg egal wo einzusteigen und einfach ein colectivo oder einen Bus anzuhalten per Wink. So macht ihr es am Besten auch auf dem Rückweg. Ahja: bis etwa 21 Uhr fahren noch Busse/colectivos aus den Orten im Valle Sagrado zurück, sonntags ist jedoch um 20 Uhr bereits tote Hose was das angeht. Also entweder früher wieder weg oder trampen, das geht auch ganz gut.

 

https://www.google.de/maps/search/colectivo+cusco+pisac/@-13.5209109,-71.9712257,17z

 

Homepage vom Greenhouse in Huaran: http://www.thegreenhouseperu.com

 

…sein und bleiben?!

Schon vor ein paar Wochen hatte ich mal einen Artikel verfasst, in dem es um mein Gefühl zu Cusco geht: zur Stadt und zu seinen Menschen. Doch dann habe ich ihn aus Versehen gelöscht und dachte „Nee, dann soll´s wohl nicht so sein“ und hatte keine Lust, nochmal alles zu schreiben. Doch jetzt, nachdem ich am Sonntag eine Erfahrung gemacht habe, nach der viel zu dem Thema in mir arbeitete und ich mich zudem schon langsam in Abschiedsstimmung fühle (nur noch zwei Wochen arbeiten), drängt sich das Thema nochmal auf. Also Achtung, dieser Artikel wird einer der sehr subjektiven, vielleicht etwas emotionalen Art! Er fragt sich: Cusco, diese Stadt im Himmel – haben sich für mich ihre Türen geöffnet oder blieben sie geschlossen? Und was waren Türöffner oder -verschliesser?

Wie so oft in meinem Leben ist nichts so ganz ganz klar und die Medaille hat zwei Seiten: manchmal liebe ich diese Stadt und denke „Wow und ICH bin hier“, manchmal bin ich dermassen genervt und will nur noch raus. Mir ist klar, die Stadt wirkt nicht nur – zoom – energetisch oder sowas auf mich, sondern alles, was ich erlebe und fühle, erlebe eben ICH, fühle eben ICH. Das wird für niemanden gleich sein, wie für mich. Gerade zum Beispiel strömt ein Geruch herein, den ich abgöttisch liebe: den des Pala Santo, eines Holzes, was zum reinigenden Räuchern benutzt wird. Mhm. Ebenso liebe ich es, durch die alten Gassen um den Plaza San Blas zu gehen und es riecht nach Feuer und auf den Lehmmauern wachsen Kakteen. Da fühle ich mich, wie in alten Zeiten oder wie ich es mir in alten Zeiten vorstelle. Ich liebe die frischen Obstsäfte, die vegetarische peruanische Küche, meinen morgendlichen Obstsalat aus den Früchten, für die man bei uns ein Vermögen bezahlt und sie  dann auch nicht schmecken, reife Avocados. Ich liebe es, immer wieder Blicke auf die Stadt von oben haben zu können, zum Templo de la Luna zu gehen, vergöttere diese unglaubliche Natur, und mag es, inmitten dieser Landschaft immer wieder auf Höhlen, Inkaruinen, duftende Kräuter zu stossen. Ich liebe den am Sonntag erlebten Wind, der mir entgegen kam, als ich endlich einen Berggipfel erklommen hatte. Und ich liebe es auch, diesen Moment mit dem Menschen geteilt zu haben, mit dem ich ihn teilte. Ebenso den manchmal zum Greifen nahen Mond und den fast herunterfallenden Sternenhimmel. Und die Lichter der Stadt bei Nacht. Die Gewitter in der Ferne und ja auch mitunter den Regen. Und den Sonnenaufgang, der sich mir aus meinem Fenster bietet, direkt vom Bett aus. Und auf der anderen Seite des Fensters den Sonnenuntergang. Ich liebe einige Plätze und regenbogenfarbenbeleuchtete Brunnen. Und Reisende, die Brot verkaufen oder Musik machen. Die Wege, die sich kreuzen mit besonderen Menschen. Die Vielfalt dieser Stadt.

Die Liste ist noch länger. Dennoch – leben möchte ich hier nicht. Wenngleich ich Cusco gerade in den letzten Wochen nochmal mehr zu schätzen lerne. Also warum möchte ich nicht hier leben? Eigentlich gibt es vor allem eine Sache, die mich stört und das beinahe Tag für Tag: für alle Menschen bin ich die Fremde. Die señorita aus Europa (bevorzugt Frankreich), Touristin, Reiche, Kluge, Interessante, Sexobjekt, Nichthierhergehörige, Weisshäutige und Blauäugige… Oder/ und eben alles zusammen. Und dass mir das immer und immer wieder gezeigt wird, das nervt. Und macht es für mich unmöglich, mich wirklich wohl zu fühlen. Ich denke, aus den Augen der Menschen, die mir das zeigen, wäre es unmöglich, mich als „richtig“ zugehöriges Mitglied dieser Stadt anzusehen. Auch noch nach 20 Jahren wäre das so, ich bin mir sicher.

Ich habe mich schonmal in meinem Studium mit dem Thema „Fremdheit“ theoretisch beschäftigt und weiss, dass es schwierig ist, als „normal“ (an)gesehen  und behandelt zu werden, wenn man anders aussieht als die Mehrheit. Ist natürlich die Frage, was ist „normal“. Mistiges Wort, aber mir gehts eben um das, wie Menschen sehen, denken, werten und das geschieht innerhalb von Normalitätskonzepten. Ich weiss auch, dass es weitaus unangenehmere Zuschreibungen geben kann als die, die mir gegenüber gemacht werden. Sie könnten mich auch als Zurückgebliebene, Wertlosere, Hässliche oder so sehen. Alles eine Sache eben von Normalitätskonzepten, von Wertung. Also noch Glück gehabt, dass ich daher komme, wo ich her komme oder danach aussehe, daher zu kommen, woher ich komme. Denn das ist das Thema hinter dem Ganzen. Woher komme ich? Und was verbinden die Menschen damit? Daher auch – auf Reisen natürlich nicht ganz untypisch, aber ich reise ja nicht – die fast immer erste Frage, egal ob von Strassenverkäufern, Touristen, Apothekerinnen oder flirtenden Männern: Woher kommst du? Ätz. Ich frag mich in dem Moment: was interessiert dich das? Ist meist einfach eine Smalltalkfrage. Aber sie zeigt: Herkunft ist wichtig. Wir leben zwar in einer Welt, die sich immer mehr öffnet, doch immer noch in einer Welt, die in Nationen aufgeteilt ist und damit scheinbar wie in verschiedenen Welten. Dabei bewegen wir uns immer auf der gleichen Erde und über uns spannt sich das gleiche Himmelszelt. An einem fitzeligen Teil der Welt – Deutschland – werde ich nie gefragt, aus welchem Land ich komme, denn es ist klar, ich gehör dazu. Überall woanders ist das anders, immer mit bestimmten Vorstellungen durchmischt.

Am Sonntag hat mich ein betrunkener Jugendlicher belästigt. Auf meinem Lieblingsweg, runter von meinem Lieblingsberg. Erst wollte er mich betatschen, dann hat er mich beschimpft: „Geh zurück in dein Land!“. Wiederspricht sich da nicht was? Ich hab das Gefühl, das spiegelt – wenn auch im Extremen – das, was viele Menschen hier angeht bezüglich „uns Fremden“. Einerseits wollen sie was und dann hassen sie auch was. Die umhergehende Schmuckverkäuferin auf dem Plaza de Armas will mir umgedingt Ringe andrehen mit viel Tüdelüt („mamita comprame“) und zieht dann grummelig und miesgelaunt und ohne „Tschüs“ ab, nachdem ich ihr 5 Mal „Nein“ sagen musste. Als hätt ich sie getreten.

Das hängt alles in grossen Teilen mit dem Tourismus zusammen: die Menschen leben davon und sie produzieren ihn mit und gleichzeitig hab ich das Gefühl, sie mögen es nicht. Und das lassen sie die (potentiellen) Touristen spüren. Ich kanns auch verstehen, ich wäre absolut genervt, wenn ständig Touristen eine Mauer in meiner Stadt fotografieren würden, sich dekadent benehmen, ich denken würde, die haben alle viel mehr Geld – die kommen hierher und ich kann noch nichtmal nach Lima reisen – usw… Dennoch ist es so, wie es ist.

Und für mich heisst das: Ich könnte mich hier niemals wirklich zu Hause und als Teil dieser Stadt fühlen. Weil die Stadt mich nicht so fühlen lassen würde. Auch wenn ich 20 Jahre hier leben würde, noch immer könnte ich keine 10 Minuten ruhig auf dem Plaza de Armas sitzen, ohne mindestens 15 Mal angequatscht zu werden und mir  Schlüsselanhängerlamas, Püppchen, eine Touristentour oder Inkazigaretten aufgedrängt oder aufgebettelt werden. Así es.

Das sind meine persönlichen Türenverschliesser. Türöffner ist der Ort an sich, der einfach toll ist und so viele Möglichkeiten offen hält. So gehe ich gern wieder. So komme ich gern wieder. Alles als Besucherin. Denn es gibt ja Beides: Liebe und Abneigung.

 

Karneval in den Anden

Momentan ist (oder war?) nicht nur Karnevalszeit in Deutschland, sondern auch hier in Peru. In Cusco solls gar nicht so gross sein und sowieso eher ne Touristengeschichte, als ein „wirkliches Karneval“ auch nicht. Aber selbst habe ich es hier nicht gesehen und was ist schon „wirkliches Karneval“?.  Ich auf jeden Fall war letzten Sonntag als die meisten fiestas gefeiert wurden in Pisac, einer kleinen schönen Stadt, etwa eine halbe Stunde entfernt von Cusco im Heiligen Tal (Valle Sagrado). Und durchreisemässig bin ich auf dem Weg dorthin an anderen kleineren Orten im etwa hergekommen, wo ich was mitbekommen habe. Und zwar nicht wenig…

Das Erste überhaupt, was ich von Karneval hier erlebt habe hier, war schon vor fast zwei Wochen als die Karnevalszeit anfing und zwar folgendes, was einem Freund von mir passierte, als wir gemeinsam bei Sacsayhuaman herwanderten: ein paar fröhliche Mädchen fragten ihn „Weisst du, wann Karneval ist?“, er eigentlich wissend aber verpeilt „Nee, wann denn?“ und Zack hatte er ne ganze Ladung Wasser auf seinem Poncho als Strafe. Ich fands witzig und hab mich mit den Mädels kaputtgelacht, denn auf mich hatten sie es nicht abgesehen. Jaja, bis….

Ja bis zu dem besagten Sonntag des letzten Wochenendes, als ich nichtsahnend mit einer Freundin an der Hauptverkehrsstrasse im Valle Sagrado von einem Ort zum nächsten gehen wollte, um Karneval anzuschauen. Ein warmer Tag wars –  sanfte Brise, Sonnenschein, Flussrauschen, gute Laune – da nahte die Gefahr. Am anderenn Strassenrand vor den Häusern schon aus der Ferne zu sehen: Kinder. Kinder mit riesigen Wassermaschinenguns. Kinder mit Wassereimern. Jugendliche mit Wasserbomben. Schluck. Wasserkrieg war angesagt und wer die Opfer waren, klare Sache. Doch es kam noch schlimmer: brummbrummbrumm nahten sie. Autos. Beladen mit kampflustigen wasserfeuernden Kriegern. Das war fies und hinterhältig. Richtig fies. Wenn anfangs auch etwas lustig. Und ich hab mich insbesondere beim Wegrennen vor den Brutalos an Kinderzeiten erinnert, in denen ich vor anderen Kriegern wegrannte. Als Erwachsene griffen wir dann letztlich doch lieber auf ein collectivo (Minibus) zurück.

Als wir unser erstes geplantes Karnevalsziel Calca traumatisiert erreichten, wurde es auch von oben nass, Sturzregen setzte ein. Also fuhren wir weiter nach Pisac und da war alles ok und warm. Am ersten Wasserpistolen- und Schneespraystand legten wir uns Schneespray zu, damit wir uns auch wehren können. Okay – also ihr könnt es euch schon denken: nassspritzen oder -sprayen ist Hauptaktivität des Karnevals hier und auch ne unterhaltsame Sache. Wenn man nicht in eine Jugendgang mit etlichen Wasserbomben gerät oder eben an einer Strasse hergeht. Nass oder schaumig wird man aber eh, manche mehr, manche weniger.

Auf dem plaza de armas in Pisac war die Hölle los. Hauptattraktion waren die Tänze verschiedener Gruppen in der Mitte des Platzes, die von Live-Musik begleitet wurden. Zwischen 8-10 Minuten hatte jede Gruppe Zeit, um ihren Auftritt zu präsentieren. In folklorischen Trachten, sehr bunt und oft mit ausladenden Hüten, tanzten die Gruppen – in der Regel je zur Hälfte Frauen und Männer – Themen aus dem Leben. (oder dem einstigen Leben?) Darin können Bewegungen z.B. Feldarbeit oder verschiedene Naturelemente darstellen oder auch Kämpfe und Rituale. Ganz witzig fand ichs, als die Frauen (nicht unbedingt ballerinamässig) auf die Rücken der Männer hopsten und die sich im Kreis drehten. Richtig verstanden hab ich alles nicht, dafür fehlte mir dann doch Hintergrundwissen, aber schön und interessant war es und ich finde es toll, dass Kulturgut bewahrt und stolz präsentiert wird. Auch von jungen Menschen.

Natürlich gab es auch viel zum Futtern: Zuckerwatte, choclos (helle Maiskolben) mit Käse, gegrilltes Fleisch verschiedenster Art, Riesengläser rosa Chicha-Bier (aus dem schwarz-violetten Mais gegart), Nudeln mit Papas (Kartoffeln) und scharfer Sosse und etliches anders…

Auf jeden Fall haben die Menschen, wie bei uns auch an Karneval viel Spass, versammeln sich, torkeln betrunken durch die Gegend, machen Quatsch und geniessen die verrückte Zeit, in der sie mehr dürfen, als sonst. Auch ohne Verkleidung, dafür aber mit Wasserbomben und Schneespray ausgestattet.

   

Die letzten zwei Tage (vom 25.-26.) legte viel politische Aktivität Cusco lahm. Etwa 50.000 Bürger Cuscos und der Umgebung demonstrierten. Wogegen? Warum? Was ist passiert?

Ursachen der Proteste waren verschiedener Art: zum Einen ging es um Benachteiligungen der Bürger und des Bezirks Cusco bei Megaprojekten wie dem Bau des internationalen Flughafens in Chinchero oder der Nutzung der Gaspipeline (gasoducto del Sur). Momentan wird um die Versteigerung des Flughafens diskutiert, der noch nicht  einmal gebaut ist. Wer bekommt die Rechte? Wer wird das Geld verdienen am Flughafen? Wahrscheinlich werden internationale Unternehmen den Flughafen kaufen und damit werden Cusco und seine Bürger nur bedingt vom Bau profitieren. Klar durch die Mengen an Touristen, die es mit einem internationalen Flughafen noch leichter haben, direkt nach Cusco zu kommen, wird auch Cusco wirtschaftlich groβen Profit schlagen. Zweifelhaft war und ist das Projekt aber sowieso schon immer: zum Einen durch die Auswirkungen auf Umwelt und Bevölkerung der Dörfer der Umgebung rund um den Flughafen, wo jetzt noch Landwirtschaft betrieben wird. Aber die Felder sind schon abgekauft… Zum Anderen soll es durch die bergige Umgebung gar nicht so einfach sein, den Flughafen anzufliegen. Nun ja und eben durch die Frage danach, wer in den Genuss des wirtschaftlichen Gewinns kommen wird. Es wurde auch schon gemunkelt, dass deutsche Firmen Interesse an dem Flughafen zeigen.. Aufgrund der Uneinigkeit, wie es mit dem Flughafen weitergeht, wurde sein Bau stillgelegt, was bedeutet, dass die einstigen Bauarbeiter dort gerade arbeitslos sind, ohne zu wissen, wie es weiter geht.

In Punkto Gasoducto erzählte mir mein Mitbewohner, dass die Problematik u.a. darin besteht, dass die Gasvorkommen zwar im Bezirk Cusco abgebaut werden, der Groβteil des Gases aber durch die Pipeline in die Hauptstadt geleitet wird, während es hier teils einen Gasmangel gebe.

Also Unklarheit – Ungerechtigkeit – Unzufriedenheit …

Wilfrido Alvarez, der Vorsitzende der Vereinigung der Arbeiter Cuscos (Federación Deparmental de Trabajadores del Cusco FDTC), forderte daher während des Streiks den Präsidenten Ollanta Humala und den Premierminister René Cornejo dazu auf, in Kürze eine Ratsversammlung einzuberufen, in dem es um die Lösung der Themen gehe. Sie sollen Expertengruppen zusammenstellen, um die Umsetzung der beiden Megaprojekte voranzutreiben und zu verhandeln.

Ein anderer Grund für den Missmut der Cusqueños sind Haushaltskürzungen der Region und seiner Kommunen bei gleichzeitigen (nicht unbeachtlichen) Gehaltserhöhungen von Politikern. Klar, da stimmt doch irgendwas nicht… Die Demo richtet sich also gegen den Staat, in jedem Fall über kommunale Ebene hinaus. Politische Versprechen, die bisher nur Versprechungen waren, sollen eingehalten werden. Daher wird es – werden die Verhandlungen nicht positiv ergebnisreich vorangetrieben – Anfang März zwei Tage Nationalstreik geben.

Auswirkungen hatte der Streik zumindest auf Cusco-Ebene und laut Berichterstattung wurde auch um das Aussenbild gefürchtet, denn insbesondere der Tourismussektor war ziemlich stark betroffen. Inwiefern? Zum Einen verbarrikadierten die Demonstranten Straβen, sodass wichtige touristische Ziele nicht angesteuert werden konnten und Reisen gekenzelt werden mussten, z.B. Touren nach Pisac, ins Heilige Tal oder nach Chinchero. Auβerdem beteiligte sich der gröβte Teil der Busunternehmen und Taxifahrer am Streik, sodass insgesamt es gar keine oder nur bedingte Möglichkeiten gab, überhaupt in der Stadt umherzukommen. Und erwischte man ein Taxi, begab man sich eine nicht angenehme Situation, denn die Taxis – die sich aus Augen der Streiker am Streik beteiligen sollten und verräterisch agierten, indem sie weiter ihre Dienste anboten – wurden angegriffen und mit Flaschen, Steinen oder anderem Geschoss beworfen. Hier kommt schon durch, dass die Proteste nicht nur friedlich zugingen. Als 350 Demonstranten den Flughafen besetzen wollten, setzte die Polizei Tränengas ein. Resultat: 5 Verletzte, 3 Inhaftierte. Und das sind bestimmt nicht alle…

Man kann sich vorstellen, dass die Stadt, abgesehen von den Protestplätzen und der in der Luft liegenden Ruhe-vor-dem-Sturm-Stimmung, recht ruhig war: keine Autos, kein Gehupe und Läden und Restaurants waren geschlossen. Klar bedeutet das wirtschaftliche Verluste. 90 Prozent der Wirtschaft wurden lahmgelegt in den zwei Tagen, das bedeutet ein Verlust von etwa 6 Millionen Soles (= ca. 1,5 Millionen Euro). Wirksam, könnte ich mir vorstellen. Würde ich mir erhoffen. Mal schauen… Die politische Beteiligung war auf jeden Fall groβ, die Radikalität aus meinen Augen bewundernswert und zeigt: es gibt ziemlich viel Unzufriedenheit, Wunsch nach- und Eigeninitiative zu Veränderung und Partizipation.

 

 

 

Wenn zwar nicht sehr befriedigende Berichterstattung (aber immerhin), hier einige Nachrichtenquellen:

http://www.larepublica.pe/27-02-2014/despues-de-dos-dias-de-protestas-cusco-pide-dialogo-al-gobierno#!foto3

http://peru21.pe/actualidad/cusco-paralizacion-48-horas-deja-cinco-heridos-y-tres-detenidos-2171651

http://www.rpp.com.pe/2014-02-25-paro-por-la-dignidad-del-cusco-es-contundente-afirma-fdtc-noticia_672438.html

 

Ich bin Vegetarierin. Bevor ich nach Peru kam, dachte ich, es sei bestimmt kompliziert für mich, in Restaurants essen zu gehen. Denn ich dachte, das Essen hier sei sehr fleischlastig. Stimmt nicht unbedingt!

Klar, viele der typischen Gerichte enthalten Fleisch, so wie das auch in der Deutschland der Fall ist. Was steht sonntags bei Muddi eher aufm Tisch?: Ne Gemüsepfanne oder ein Kasslerbraten? Kartoffeln mit Erbsen und Möhrchen und nem Dinkelbratling oder nem Schweineschnitzel? Gemüselasagne oder Frikadellen?… Na? Eben… Fleisch gehört zu typischen Gerichten eben für viele dazu. Ist auch okay so. Ich bin keine Radikale, die andere bekehren will.

Typische Gerichte mit Fleisch sind hier zum Beispiel lomo saltado (eine Art Geschnetzeltes), Ceviche (ein Fischgericht), gegrillte Fleisch-Kartoffelspiesse, die man auf der Straβe kaufen kann, diverse bistecs (Steaks, Koteletts) und natürlich cuy (Meerschweinchen, meist gegrillt im Ganzen). Oft werden solche Gerichte in kleinen deftig-peruanischen Restaurants von Reis, Pommes und gegrillten Bananen begleitet. Es wird noch einiges mehr geben, aber da das für mich nicht weiter interessant ist, kenn ich mich da nicht so aus…

Essen gehen in Cusco als Vegetarierin ist absolut kein Problem, selbst als Veganer/in wird man hier fündig. Vielleicht liegt das an dem insgesamt unheimlich weitreichenden internationalen Restaurantangebot, was sich im Zuge des Tourismus gebildet hat. Auf jeden Fall gibt es hier mehr vegetarische und vegane Restaurants als in meiner Heimatstadt Bielefeld. Wo es glaub ich keins gibt. Und da Essen gehen auch sehr günstig möglich ist, mache ich das relativ häufig. Am Liebsten ins „Encuentros“ in der Calle Tigres, wo man mittags für 6 Soles (etwa 1, 50 Euro) ein Menü mit Suppe, Salat und Hauptspeise essen kann (abends für 5, aber ohne Salat). Dort servieren sie traditionelle Küche, aber eben in vegetarisch und oft auch vegan. Klein, aber fein und sehr nett ist es dort. Es gibt auch noch zwei weitere „Encuentros“ in Cusco, die ich aber nicht so nett finde. Das Essen ist aber gleich gut… Man kann natürlich auch von der Karte essen, die von Salaten, über Sojagerichte, Nudeln und Asiareis reicht.

 Salatbar im encuentros

Mein zweites Lieblingsrestaurant ist der „Green-Point“ in der Calle Carmen Bajo. Das ist ein veganes Restaurant, was von klassisch-traditionell bis modern-ausgefeilt verschiedene Gerichte anbietet für erschwingliche Preise. Mittags gibt es dort auch ein Menü (sogar noch mit Nachspeise J) für 10 Soles. Toll ist dort auch oft die schicke Präsentation der Gerichte. Da das Publikum eher international ist, sprechen die Mitarbeiter/innen ziemlich gut Englisch.

 

im Green-Point: unter Schmetterlingsgeflatter ein feines Küchlein geniessen – mhm

Im Mercado San Blas gibt es auch einen vegetarischen Comedor (äh so ne Art Cafeteria/Mensa), dort gibts mittags ein Menü, was ziemlich gut sein soll, ich selbst aber noch nicht ausprobiert habe. Der Comedor gehört wohl zum Restaurant „Govinda“ und die Gerichte haben einen indischen Touch.

Dann gibt es noch ein schamanisches veganes Restaurant, welches auch viel Rohkost anbietet (in der Straβe Santa Catalina Ancha). Das Ambiente dort ist sehr nett und ruhig, etwas esoterisch – eine kleine Oase zum Abschalten. Ich kenne viele, die absolute Fans dieses Restaurants sind. Ich finde die Gerichte mittelmäβig, mag aber den Ort. Jemand erzählte mir einst, die Speisen dort werden von einem Schamanen sowas wie gesegnet oder so.

 Schönes Ambiente im veganen schamanischen Restaurant

Auβerdem mag ich gerne ein vegetarisches und gemütliches Restaurant in der Straβe Chihuampata, gegenüber vom Mercado San Blas. Dort kann man auch ein leckeres Mittagsmenü essen für wenig Geld. Leider finde ich den Namen gerade nicht heraus..

Und das ist noch nicht alles an vegetarischen und veganen Restaurants in Cusco, es gibt noch mehr, aber die kenne ich nicht und kann sie dementsprechend nicht empfehlen. Möchte man allerdings in „normalen“ peruanischen Restaurants vegetarisch essen, dann wirds etwas schwieriger und man muss auf Reis, Pommes, Ei und gebratene Bananen zurückgreifen. Ebenso ist es in kleinen Orten auf dem Land. Das Verständnis fürs Vegetarier-Dasein ist da auch eher mittelmäβig.

Also Vegetarier oder Veganer, die ihr nach Cusco kommt, folgt meinen Tipps und lasst euch die Liebe zu Cusco durch den Magen gehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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