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Zum Fest der Pachamama

Das es in den hier sonnigen Wintermonaten Juni bis August in Peru feierlich richtig zur Sache geht, dürfte jedem Tourist, der das schönste Andenland in diesen Monaten einmal besucht hat, bereits aufgefallen sein. Vom „Corpos Christi“ (4. Juni), „Inti Raymi“ (24. Juni – Fest der Sonne) über das Fest der „Virgen del Carmen“ am 15./16. Juli, bis hin zu Perus Nationalfeiertag am 28. Juli – der Proklamation der Unabhängigkeit Perus von der spanischen Krone. Es ist richtig was los.


Aber wohl mit das bedeutenste Fest für die indigenen Völker zu Beginn des August ist das Fest der Pachamama. Offizieller Tag unserer Mutter Erde (quechua „Pachamama“) ist hier nämlich der 01. August. Doch da ein einziger Tag lange noch nicht ausreicht, um der Quelle unseren Ursprungs, unserer Nährerin und Schützerin zu danken, wird nicht nur der 01.08. sondern im Prinzip der ganze Monat August zum Fest. Ausgiebigst wird sich in diesen Wochen mit feierlichen Opfergabe-Zeremonien bei der heilige Mutter Erde bedankt.

Auch auf der spirituellen Ebene gilt August als energetisch und magisch reichster Monat, da die Pachamama auch Vermittlerin zwischen Ober- und Unterwelt ist. Besonders intensiv und genau sollen demnach Erlebnisse u.a. in Meditation, Ayahuasca oder Zukunfsvorhersagen sein.


Bei unserem Ausflug nach Zurite mit unseren Deutschen von Acupari vor ein paar Wochen besuchten wir das „INIA“ – Instituto Nacional de Innovación Agraria, eines der wichtigsten Agrarinstitute Perus. Da wir Anfang August zu Besuch kamen, sah das „INIA“ und seine Terrassen, wo sich sonst reiche Pflanzenlandschaften erstrecken sollen, allerdings eher verlassen und triste aus. Der Aaaha-Effekt kam, als wir uns die Arbeitsprozesse und den Saisonverlauf erklären ließen.


In vidrio werden hier Samen verschiedenster Pflanzen, speziell der zahlreichen „Papa“-Sorten (Kartoffel) gezüchtet, bei dessen Prozess Bakterien und andere Schädlinge aus der Pflanze herausgefiltert werden, um qualitativ besonders hochwertige Pflanzen-DNA zu kreieren. Fortlaufend wird diese DNA-Selektion weiterentwickelt und verbessert. Gerade der Süden Perus profitiert von den „reinen“ Pflanzen, aber auch in den USA finden sich zahlreiche Abnehmer. Dort dürfen die Pflanzen, anders als jene, die innerhalb der eigenen Staatsgrenzen Perus bleiben, patentrechtlich allerdings nicht angebaut sondern nur bspw. für Kosmetikzwecke genutzt werden.
Nach den Prozessen, werden die im Glas herangewachsenen Pflanzensprösslinge im September in die Erde verpflanzt und warten dort auf die ab Oktober beginnende Regensaison. Nach der Regenzeit, ab Ende März/ Anfang April beginnt dann nach und nach die Ernte. Bis August muss alles erledigt sein, dann sind, wie wir sehen konnten, Ferien – Ferien für das Institut, die Pflanzenprozesse, die Felder. Denn es ist Zeit für das Fest der Pachamama, als Ehre und Dank für die letzte Ernte, unsere Nahrung.

Frisch zurueck aus Mexiko bin ich nun wieder in Cusco eingetrudelt und seit dieser Woche die neue Praktikantin im Acupari.
Letztes Jahr von August bis Maerz war ich schon einmal fuer ein soziales Projekt in Cusco, was mich nun u.a auch direkt noch einmal fuer drei Monate nach Cusco zurueckzieht.
Bis Ende Oktober werde ich also mit Lehrer/innen und Schueler/Innen zusammenarbeiten und freue mich besonders auf spannenden interkulturellen Austausch und Veranstaltungen im ACUPARI, neue Freundschaften und spannende Ausfluege in die atemberaubende Umgebung, die ich hier in unserem Cusco Blog gerne mit euch teilen moechte.

¡Hasta la vista und wir sehen uns!
Eure Jule

¡Gracias y Adiós!

 

Ihr Lieben,

mit diesem Blogeintrag moechte ich mich verabschieden…

Meine vier Monate Praktikum gehen in diesem Monat zu Ende – wie im Flug sind sie vergangen und ich bin wirklich traurig „Tschuess“ zu sagen. Neben der Arbeit, die mir viel Spass gemacht hat, werden mir all die lieben Menschen fehlen, die ich hier getroffen haben. Hiermit geht ein grosses Danke an euch, die mir die letzten Monate bei Acupari zu einem Fest gemacht haben.
Danke an euch Lieben: Margarita, Yvonne, Yessenia, Mauge, Sara, Roberto, Maria, Flavio, Cata,  Alipio, Balbino, Javier, Jana, Gudrun, Olga, Martina, Andrea, Omar! Und natuerlich an all die wunderbaren Spanisch- und DeutschschuelerInnen! <3

Zum Glueck ist der endgueltige Abschied fuer mich von Peru erst im September. Bald beginnt meine Reise in den Norden von Peru, die mir hoffentlich eine ebenso schoene und aufregende Zeit bescheren wird.

Ich hoffe, eines Tagen sehen wir uns wieder :)

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Ya pasó mi tiempo en Acupari y quiero agradecerles a todos, los que han hecho mi tiempo aquí tan maravilloso.
Gracias por ayudarme con cualquiera cosa y ser amigos, gracias por venir al repaso, participar en el Stammtisch y el Café Berlin :) .

¡Voy a extrañarlos! ¡Cuídense mucho!

Nos vemos! <3

Anne

 

Restaurants der fusionierten peruanisch-chinesischen Kueche “Chifa” muss man in peruanischen Staedten nicht lange suchen. Der Arroz chaufa ist wohl das bekannteste und beliebteste Gericht dieser Kueche.

Hier findet ihr ein Rezept fuer die Variante mit Quinua. Wundert euch nicht ueber die Mengenangaben in “Tassen”, ich habe schlichtweg keine Entsprechung in Gramm gefunden… :)

Zutaten (4 Personen)

750 g                     gekochter Quinua

4                             Eier

1 TL                       Butter

2 TL                      Oel

1/2 TL                   Ingwer, gerieben

1 ½ Tassen          Huehnchenbrust, gewuerfelt

2 Tassen               Putenwurst, in Scheiben

60 ml                    Sojasauce

2                            Fruehlingszwiebeln, nur das Gruen, gehackt

1/2                        rote oder grüne Paprikaschote, gewuerfelt

100 g                    Zuckerschoten

Salz und Pfeffer

 

Zubereitung

Quinua zubereiten.

Butter in einer grossen Pfanne oder Wok erhitzen, verquirlte Eier hinzugeben und braten. Omelette in kleine Stuecke zerkleinern und beiseite stellen.

Oel in einer Pfanne erhitzen und Ingwer, Huehnchen und die Wuerstchenscheiben hinzugeben. Mit Salz und Pfeffer wuerzen und 5 min anbraten. Dann die Sojasosse und die Fruehlingszwiebeln dazugeben und weitere 5 min anbraten. Fuege danach die Zuckerschoten, die Paprika und den Quinua hinzu. Am Ende gibst du die Omelettestueckchen dazu und braetst alles weitere 2 min.

Buen provecho :)

Der letzte Acupari-Ausflug war ausnahmsweise einmal etwas touristischer angehaucht – aber schoene, interessante Orte ziehen nun eben Menschen an.

Der vorherige Blogeintrag schrieb schon ueber die webenden Frauen Chincheros. Diese Exkursion fuehrte mich erneut in dieses Dorf, in dem das Wissen ueber textile Muster und Handwerkskunst schon seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Unsere Spanisch-SchuelerInnen und ich liessen uns dort erklaeren, wie die Wolle hergestellt wird, mit welchen Pflanzen, Insekten und Mineralien, welche Farbtoene hergestellt werden und welche Bedeutung die verschiedenen Webmuster haben. Danach gab es Zeit, die Web-Produkte sofort bei den Herstellerinnen zu kaufen und fuer unseres Gruppenfoto wurden wir in Teile der Tracht gehuellt.

Der zweite Stopp fuehrte uns zu den Salineras in Maras, wo wir die ca. 3000 Salzbecken bestaunten, die es schon seit den Inkazeiten gibt. Die Salzbecken enthalten salzhaltiges Wasser, welches einer natuerlichen Quelle weiter oberhalb entspringt. Verdunstet das Wasser durch die Sonneneinstrahlung, entstehen Salzkristalle.

Von den Salzminen wanderten wir in Richtung Urubamba zwischen fast Canyon-aehnlichen Felsformationen entlang und beendeten diesen schoenen Tag mit einem einem Buffetessen in Urubamba.

Weben in Chinchero

Ein Besuch in der kleinen Stadt Chinchero, eine Stunde von Cusco mit dem Bus entfernt, steht auf vielen To-Do-Listen von Tourist*innen in Cusco. Auch bei der Sacred-Valley-Tour, die man in vielen Reisebueros buchen kann, ist Chinchero fester Bestandteil.
Aber warum?

Erst einmal gibt es eine schoene, archaeologische Staette, die es zu besuchen lohnt: Kolonialbauten auf Inkamauern. Sehenswert!

Und dann gibt es da noch die Weberinnen. In unzaehligen Web-Vereinen organisiert, kann man sich hier auf schoen hergerichteten Innenhoefen von Frauen in der Chinchero-Tracht zeigen lassen, wie Wolle gesponnen, natuerlich gefaerbt und verarbeitet wird. Nach dieser kostenfreien Praesentation gibt es die Chance die artesanalen Produkte oder auch Massenware zu erwerben. Von diesem Geld leben die Weberinnen und ihre Familien.

Ich und meine Freundinnen hatten, als wir letzten Mittwoch nach Chinchero fuhren, einen anderen Plan:
Ob es nun wirklich ein offizielles Angebot der Weberinnen in Chinchero ist, oder ob sie erst die Nachfrage einer Freundin „Kann man bei Ihnen auch Weben lernen?“ auf die Idee gebracht hat, wissen wir nicht. Jedenfalls verbrachten wir fast einen ganzen Tag auf einem dieser schoenen Innenhoefe und liesen uns das Weben beibringen:

Freundlich werden wir empfangen, bekommen einen Tee und sollen uns erst einmal setzen. Eine Praesentation laeuft gerade noch. Nach und nach packen die Frauen ihre Auswahl an Garn aus. Wir sollen uns Farben aussuchen. Das bereitet Kopfzerbrechen. Zu gross und schoen ist die Auswahl. Nach mehrmaligen Hin- und Herentscheiden, haben wir jeweils unsere Auswahl getroffen und die Frauen beginnen mit dem Aufspannen des Garns. Die Faeden werden in einer bestimmten Reihefolge zusammengelegt, das eine Ende an einem Pfosten und das andere Ende an uns festgebunden. Die Weberinnen machen uns vor, wie das erste (einfache) Modell funktioniert und – schon „weben“ wir.

Als es Mittag ist und schon langsam unsere Ruecken wehtun, werden wir hinters Haus gerufen. Dort werden gerade Kartoffeln aus einem Erdofen geholt: Watya! Gemeinsam mit den Weberinnen und ihren Familien machen wir am Hof Mittagspause. Ein riesen Haufen Kartoffeln vor uns, Salat und Kaese am Teller. Ein Festmahl!

Danach geht es weiter mit dem Weben, ein komplizierteres Muster steht nun auf dem Lehrplan. Wohingegen einige meiner Freundinnen schon nach 5 Minuten die Reihenfolge des Webmusters verstanden haben und selbststaendig weiterarbeiten koennen, bin ich nicht ganz so geschickt und muss immer wieder meine Lehrerin fragen, welche Faeden ich denn jetzt genau „nach oben nehmen soll“. – Naja, vielleicht ist es ja Talentsache das Weben. Als es immer kaelter wird, ist es Zeit zum Aufbruch. Wir verabschieden uns von unseren tollen Lehrerinnen und setzen uns stolz mit unseren Ergebnissen in den Bus nach Cusco. :)

 

Am letzten Exkursions-Donnerstag ging es fuer die Spanisch-SchuelerInnen zusammen mit Guide Flavio zur Inka-Staette Killarumiyoq. Der archaeologische Ort befindet sich mit dem Auto anderthalb Stunden von Cusco entfernt und gilt als mystischer Platz. Deshalb wird er regelmaessig fuer Taufen, Hochzeiten, Opferungen an die Mutter Erde (Pachamama) etc. aufgesucht. Dies hat mittlerweile dazu gefuehrt, dass 7 Soles (4 Soles fuer Studierende) Eintritt verlangt werden. Als wir dort waren, zeugten nur Konfetti und Blumen am Boden von vor kurzer Zeit abgehaltenen Feiern.

Killarumiyoq (Quechua fuer: Stein mit Mond) steht – wie der Name schon sagt – ganz im Zeichen des Mondes, der bei den Inka eine besondere, goettliche Bedeutung hatte. Killa wurde als die Frau von dem hoechsten Gott, der Sonne (Inti), und als Mutter der Sterne angesehen und verehrt. So bauten die Inka der weiblichen Gottheit Tempel und andere heilige Orte. Killarumiyoq ist einer von ihnen. Es ist ein grosses Gelaende auf dem sich einige heilige Staetten (wakas) befinden und das von einem Stueck des Qhapaq Ñan durchzogen wird. Ausserdem gibt es Hoehlen, grosse bearbeitete Felsen und eben einen Stein, in den in der inkaischen Genauigkeit ein Halbmond eingemeiselt wurde. Einen halben Tag verbrachten wir in Ruhe auf dem Gelaende – picknickend und spazierengehend. Von einer in der Naehe lebenden Familie wurden wir zum Chicha trinken eingeladen und freuten uns ueber diesen schoenen, ungeplanten Abschluss unseres Ausfluges.

Lebt man in Cusco, ist man sich der Praesenz der Berggottheit – des Apus – Ausangate bewusst. Immer wenn der Himmel blau und wolkenlos ist, erscheint der schneebedeckte Berg ploetzlich in seiner ganzen Pracht im Suedosten der Stadt ueber den in der Trockenzeit braun-beigen Bergen, die Cusco umgeben. Mit 6.384 Metern gehoert er zu den vier hoechsten Bergen Perus.

Schon laenger stand ein Trek beim Ausangate auf meiner „Das will ich in Peru machen“-Liste. Die hohen Preise der Agenturen schreckten mich jedoch ab. Zu meinem Glueck fragte mich vor einigen Wochen eine Freundin, ob ich Lust haette, auf eine selbstorganisierte Wanderung dorthin mitzukommen. So begann am vergangenen Freitag unser wunderbares, unvergessliches Abenteuer zwischen Gletschern, blauen Lagunen, Regenbogenbergen, Alpakaherden, blauen Himmel und Bergdoerfern. Eisige Naechte, steile Anstiege, Erschoepfung, atemberaubende Aussichten und Gluecksmomente waren unsere bestaendigen Reisebegleiter.

 

Um kurz vor vier in der Nacht steht unsere 7-koepfige Reisegruppe, bestehend aus 3 Schweizerinnen, 2 Deutschen und 2 Peruanerinnen, im Zentrum von Cusco – umgeben von mit Essen, Toepfen, Schlafsaecken, Gaskochern und Zelten gefuellten Reissaecken, die von unserem Guide in einen Van geladen werden. Es ist Tag 1 unseres Treks im Ausangate-Gebiet. Er beginnt mit ca. drei Stunden Schlaf im Van, der uns zu unserem ersten Camp bringt: Das kleine, einfache Bergdorf Quesiuno mit nicht mehr als 15 Haeusern und vielleicht 200 Alpakas. Aufgrund der Kaelte in der Hoehe – erklaert uns unser Guide Santos, der in diesem Dorf zuhause ist – werden wir unsere Zelte hier aufschlagen und nicht wie geplant weiter oben. Das Dorf ist der Ausgangspunkt zu Vinicunca, auch bekannt als Rainbow-Mountain oder Montaña de siete colores. Viele Touristen stroemen an uns vorbei, als wir uns gemuetlich zum Fruehstueck niederlassen und die Sonne, die gerade das Tal erreicht hat, geniessen. Dann geht es aber auch fuer uns los. Eine mehr oder weniger entspannte vierstuendige Wanderung bringt uns an Bergfluessen und zwischen immer bunter werdenden Bergen zu unserem Tagesziel, dem Vinicunca. Erst seit einem guten Jahr hat es sein Foto in die Tueren und Schaufenster fast aller Tourismus-Agenturen in Cusco geschafft. Davor war er ein Geheimtipp. Nun wandern taeglich ein dutzend Reisegruppen hinauf um sich von seiner Farbenpracht zu ueberzeugen. Ich glaube, ein Foto auf Facebook hat ihm zu seiner Beliebtheit verholfen. Nunja wir sind nun Teil dieses Tourismus. Da wir aber nicht am gleichen Tag zurueck nach Cusco muessen, sondern im Ausgangsdorf uebernachten, haben wir Zeit. Als wir ankommen, befindet sich gerade die letzte Reisegruppe im Aufbruch. Nun haben wir die Aussicht und den bunten Berg fuer uns! Am Aussichtspunkt laesst uns der eisige Wind unsere Jacken bis zum Anschlag zuziehen und die Handschuhe auspacken. Gegenueber von Vinicunca bestaunen wir den weissen Gipfel des Ausangate, auf den anderen Seiten unendlich weite Taeler in einzigartigen Berglandschaften, die es immer wieder schaffen, dass wir unseren Blick von diesem ungewoehnlichen, buntgestreiften Huegel abwenden.


Zurueck im Dorf in Santos‘ kleinem Haeuschen bereiten wir im Taschenlampenlicht unser Abendessen am Gaskocher zu: Tuetensuppe und Spaghetti mit selbstgemachten Pesto. Noch nie hat es uns besser geschmeckt! Es ist bereits eisig kalt. Die Alpakas vor dem Haus kuscheln sich jeweils zu zweit dicht zusammen. Wir ziehen alles an, was wir mithaben und legen uns zeitig in unsere Schlafsaecke. Wie die Alpakas draussen legen wir uns dicht zusammen und wachen dennoch am fruehen Morgen von den Minusgraden auf.

Tag 2 wird der anstrengendste und im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubendste Tag unserer Wanderung, denn es geht hinauf auf ueber 5000 Meter. Angekuendigt werden uns jedoch von Santos 5 Stunden Laufen und „una subidita no más“ (nicht mehr als ein kleiner Anstieg). So gehen wir motiviert nach Fruehstueck, Abwasch und Zeltabbau los. Huegel und Bergtaeler entwickeln sich immer mehr in steilere Anstiege, bis es irgendwann nur noch bergauf geht. Blickt man zurueck sieht man gruen-rote Berghaenge. Das Dorf aus dem wir gestartet sind, ist schon lange nicht mehr zu erkennen. Unsere Beine sind erschoepft unsere Lungen arbeiten immer mehr, um aus der duennen Luft genuegend Sauerstoff zu ziehen. 5 Stunden sind schon fast herum und als wir nun Santos fragen, wie lange es noch dauert, redet er von weiteren 3-4 Stunden. Das ist jedoch fast vergessen als wir endlich den Bergpass erreichen und der Blick auf den Apu Ausangate frei wird. Blaue Bergseen, gespeist aus Gletscherwasser, befinden sich in seinen Haengen. Ein mutet fast unwirklich an, den sonst so weit entfernten Ausangate aus direkter Naehe zu sehen. Da wir schon spaet dran sind, muessen wir jedoch bald weiter und auch die folgende Landschaft laesst uns manchmal mit offenen Muendern darstehen. Als wir an unserem Camp in Upis ankommen ist es schon dunkel. Erschoepft bauen wir unsere Zelte auf, kochen, fuellen unsere Waermflaschen mit heissem Wasser und verkriechen uns in unsere Schlafsaecke.

Der dritte Tag bringt uns von Upis nach Pacchanta, einem kleinen Bergdorf mit Sicht auf den Ausangate. Ueber mit kleinen Steinmauerchen abgegrenzte Alpakaweiden fuehrt uns unser Guide bis zu einer blauen Lagune auf der anderen Seite des Ausangate, wo wir gemuetlich picknicken und dann weiter zum Dorf laufen. Da wir wissen, was uns erwartet, wollen wir unbedingt noch tagsueber ankommen. Pacchanta hat mitten am Dorfplatz Thermalquellen. Und nichts ersehnen unsere Fuesse, Beine und Schultern mehr als heisses Wasser. Zu unserer Freude kommen wir wie erhofft rechtzeitig an und koennen ohne Zeitdruck in den Baedern mit Blick auf den grossen schneebedeckten Berg entspannen.

Am letzten Tag packen wir routiniert – mit der Zeit sind wir immer schneller und organisierter in unserem Morgenablauf geworden – unsere Zelte ein. Horseman Abel und Santos beladen die Pferde und das erste Mal geht es wirklich nicht mehr bergauf, sondern hinab ins Tal. Da unsere Reisebegleiter noch am gleichen Tag zurueck in ihr Dorf wollen, muessen wir schon mittags in Tinke, einem Dorf mit einer Strasse, die zurueck nach Cusco fuehrt, sein. Etwas traurig, aber vor allem gluecklich ueber diese wunderbaren Tagen und in Vorfreude auf unsere Duschen und Betten in Cusco, blicken wir ein letztes Mal auf Ausangate. In Tinke steigen wir in einen Bus, in dem wir doesend, Fotos anguckend und lachend bis in unsere Lieblingsstadt gebracht werden. Nach 4 Tagen Stille, Natur, wenigen Touristen und anderen Menschen freuen wir uns doch fast schon wieder auf den Trubel, den Cusco in diesen Tagen bietet. Und das schoene ist: Auch von dort wird Ausangate weiter ueber uns wachen.

Señor de Qoyllurit’i

Es ist schon fast drei Wochen her, dass ich und ein paar Freunde uns um Mitternacht in Cusco treffen, um unsere Pilgerreise nach Qoyllurit’i zu beginnen. Es wird eine ganz besondere, einzigartige Erfahrung, die in einem Blog-Eintrag nur schwer einzufangen ist. Noch lange habe ich naemlich nicht alle Hintergruende, Geschichten, Traditionen und Bedeutungen des Erlebten verstanden. In diesem Text versuche ich, einen Teil meiner Recherchergebnisse zusammenzufassen und werde von meinem eigenen Qoyllurit’ii-Erlebnis erzaehlen. Unvollstaendig und subjektiv.

Jedes Jahr im Mai oder Juni findet das Fest am Fusse des heiligen Berges (Apu) Ausangate auf knappen 5000 Hoehenmetern statt. Eine Nummer kleiner wird es nochmals im September wiederholt. 90.000 Menschen stroemen jaehrlich zu diesem besonderen Ort. Es sind Cusqueños, sogenannte „Campesinos“, gesandte Taenzer und Pablitos aus den acht „Nationen“ Paucartambo, Quispicanchi, Canchis, Acomayo, Paruro, Tawantinsuyo, Anta, und Urubamba, Vertreter aus entfernteren Regionen Perus, Neugierige, Haendler und eine handvoll Touristen, die das Tal des Sinak’ara fuer ungefaehr eine Woche in eine Zeltstadt, ein Festival der anderen Art verwandeln.

Qoyllurit’i ist Quechua und bedeutet Schneestern. Ein Name praekolumbischen Ursprungs. Heute ist es jedoch ein synkretistisches Fest zwischen andinem und christlichem Glauben – gespickt mit unzaehligen indigenen und katholischen Zeichen und Bedeutungen. So werden einerseits Jesus Christus und ebenso die Apus sowie die Mutter Erde angebetet. Die Gesandten der (indigenen) „Campesinos“ tragen grosse Kreuze und Flaggen. Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen und werden von Musik- und Tanzgruppen begleitet, gekleidet in bunten Trachten, die einen maskiert, die anderen in fransige Umhaenge gehuellt. Es wird um eine gute Ernte, Erfolg in der Viehzucht und Gesundheit gebeten. Obwohl das andine Fest viel aelter ist, wird der christliche Ursprung auf das Jahr 1780 zurueckdatiert, als Jesus der Legende nach dem Hirten Mariano Mayta in Form eines Jungen begnetete. Er half ihm, sein Vieh zu hueten. Als Mariano ihm aus Dankbarkeit neue Kleidung schenken wollte und den Stoff des Jungen nahm, bemerkte er, dass dies der gleiche Stoff wie der der Bischoefe war. Ein Pfarrer begab sich daraufhin auf die Suche nach dem Jungen, fand aber statt dessen nur einen Stein vor, in den sich der Junge verwandelt hatte. Mariano starb an diesem Stein und es praegte sich das Bild des Señor de Qoyullrit’is ein. An diesem Ort wurde daraufhin der Tempel des Señor de Qoyllurit’is erbaut. (Diese Geschichte variiert je nach Quelle in ihren Details).

In dem von Cusco 2-3 Stunden entfernten Dorf Mawayani beginnt fuer uns und zahrreiche andere Pilger die eigentliche Wanderung (viele von ihnen sind jedoch schon viel laenger unterwegs). Hier steht das erste von vielen Kreuzen, die alle paar hundert Meter am Pilgerweg zu finden sind. Es ist ein Ort zum Beten, still werden. Kerzen werden angezuendet. 8 km sind es von Mawayani nach Qoyllurit’i. Wir laufen mitten in der Nacht los. Es ist kalt, sehr kalt. Zum Glueck sind wir vorbereitet und dick eingepackt. In Mawayani reihen Zeltstaende aus blauen Planen den Weg. Alles kannst du hier kaufen: heisse Suppen, Tee, Muetzen, Decken, Taschenlampen, Wanderstoecke, Kaugummis… Steil geht es in der Dunkelheit den Berg hinauf. Wir atmen schwer. Unsere Lungen versuchen, so viel Sauerstoff wie moeglich aus dieser duennen Hoehenluft zu ziehen. Die zerkauten Coco-Blaetter in unseren Wangentaschen helfen dabei. Wir passen uns dem Schritt der uns umgebenden Menschen an, teils schwer bepackt mit Kreuzen, Feuerholz, Kochtoepfen oder sogar Matratzen. Irgendwann ist der Anstieg vorbei. Es daemmert und die aufgehende Sonne taucht die schneebedeckten Gipfel hinter uns in goldenes Licht. 3 Stunden spaeter kommen wir erschoepft und gluecklich in Qoyllurit’i an. Vor uns eroeffnet sich eine surreale Szenerie: Menschenmassen zwischen den bekannten blaubeplanten Zeltstaenden und normalen Outdoorzelten, die auf den Berghaengen wie Farbtupfer wirken. An den Staenden bieten uns die VerkaueferInnen Haeuser, Zeugnisse, Uni-Abschluesse, Autos… in Miniaturform an. Kreuzketten, Schluesselanhaenger und Heiligenbilder gibt es auch. „30 Mil Dolares para un Sol! 30 Mil Dolares para un Sol!“ hoeren wir aus verschiedenen Ecken Haendler, die mit Spielgeld in der Luft wedeln, rufen. Ein unschlagbares Angebot! Gehst du dreimal zum Señor de Qoyllurit’i und wuenschst dir etwas, geht es in Erfuellung – wird gesagt. Sparst du also auf ein Auto, kannst du es dir hier in Miniaturform kaufen und segnen lassen. Nach dem dritten Mal, wirst du ein echtes Auto haben. Du musst nur daran glauben.

Auf dem Platz vor dem Tempel tanzen und singen die Tanzgruppen. Wir sind aufgekratzt und fasziniert von dem was wir sehen. Sie peitschen sich gegenseitig aus. Das gehoert dazu. Warum weiss ich nicht. Etwas abseits vom Geschehen lassen wir uns nieder und hoeren mit einem halben Ohr der Messe zu. Die zahllosen Eindruecke dieses Spektakels machen muede. Wir doesen etwas in der Sonne und verbringen den Tag beobachtend, herumlaufend, schlafend, und finden uns schliesslich am Mittag in einem Essenszelt bei Lomo Saltado wieder. Bevor wir uns auf den Rueckweg begeben, kaufen wir uns jeder noch unser persoenliches Erinnerungsstueck und lassen es von einer Señora unter dem Rauch von Palo Santo segnen. Aber auch ohne Mitbringsel wuerden wir dieses Erlebnis wohl so schnell nicht vergessen.

Copyright Fotos: Anne Hensel

Letzten Donnerstag hiess es endlich wieder: Excursión! Eine angenehme Wanderung bei schoenem Wetter abseits der Touristenpfade. Eine gute Gelegenheit einmal den Hupkonzerten und Alarmanlagen-Liedern Cuscos zu entkommen und die groessten Inka-Terrassen Perus kennenzulernen.

Gemeinsam mit den Spanisch-SchuelerInnen aus Deutschland, der Schweiz und Oesterreich, den TandempartnerInnen und Yesenia, unser heutigen Reisefuehrerin und Spanisch-Lehrerin, ist unser erster Stopp der Markt von Izcuchaca. Wer sonst, wie ich, am San Pedro Markt seine Wocheneinkaeufe erledigt, merkt einen gewissen Unterschied. Alles ist etwas ruhiger und entspannter, natuerlich – die Gruende liegen auf der Hand: der Markt ist kleiner, uebersichtlicher, es gibt keine TouristInnen und weniger Konkurrenz zwischen den VerkaeuferInnen. Somit beschleicht mich beim Kauf meiner Banane und Mandarine nicht das ungute Gefuehl, gerade einen etwas anderen Preis als die Cusqueños zu bezahlen.

Nun eingedeckt mit etwas Wegesnahrung bringt uns unser Reisebus, nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Molkerei, nach Zurite. Die Inka-Terrassen nicht unweit vom Dorf sind die groessten, die man finden kann. 900 m lang ist die Laengste. 7 Hektar die Flaeche der groessten. Hier ging es schon bei den Inka um die landwirtschaftliche Nutzung. Und auch heute sind die „Andenes“, die durch kleine Kanaele aus Stein bewaessert wurden und werden, noch in Gebrauch. Das Instituto Nacional de Investigación agraria INIA fuehrt hier landwirtschaftliche Experimente durch.

Am Wasserlauf, an Mais- und Quinoa-Feldern entlang und mit Blick in die Weite und auf schneebedeckte Berge spazieren wir 2 Stunden zwischen Eukalyptusbauemen und anderen Pflanzen am Berg ohne nur einem anderen Touristen zu begegnen. Die Sonne scheint, aber nicht zu stark. Und so kommen wir alle zufrieden und hungrig in Huarocondo an, wo fuer ein paar Soles schon gefuellte Teller auf uns warten.

 

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