Notstand in Cusco
Feb 3rd, 2010 by marion
Die letzten Tage war die Presse voll mit Schreckensnachrichten aus Machu Picchu. Alles Mögliche wurde erzählt, Wahres und Unwahres.
Da war die Rede von Amerikanern, die gegen Bezahlung von einigen hundert Dollar schneller evakuiert wurden, von überteuerten Preisen, Mangel an Lebensmitteln und Getränken und auch von fehlender Information. Was nun tatsächlich stimmt, darüber kann man spekulieren.
Kerstin Ullrich und Andreas Wezel ein Berliner Ehepaar kamen am vergangenen Freitag aus Machu Picchu. Sie waren 2 der Touristen, die dort tagelang festsaßen und mit dem Hubschrauber ausgeflogen wurden. Beide berichteten mir von diesen Tagen, in denen das Warten auf Hilfe den Tag bestimmte. Das größte Problem für sie war, der Mangel an Information, vor allem in den ersten beiden Tagen. Niemand wusste genau, wie es weitergeht, wo man warten soll, ob man den Bahnhof verlassen kann, oder ob man dann seinen Platz in der Warteschlange verliert. Die Touristen organisierten sich selbst, Gruppen wurden nach Nationalität gebildet und Listen angefertigt, nach denen die Älstesten und die Kinder unter ihnen zuerst ausgeflogen werden sollten. Bis auf wenige Ausnahmen soll das auch so funktioniert haben. Mit den Hubschraubern wurden auch Lebensmittel und Getränke eingeflogen, die Bevlölkerung Aguas Calientes hat für die Leute gekocht, während die jungen unter den Touristen mit anpackten um Ufer mit Sandsäcken zu schützen. Fazit der Beiden: Alles war soweit ok, bis auf das Informationsloch in den ersten zwei Tagen.
Vielen Dank Kerstin und Andreas für euren Bericht.
Inzwischen sind alle Touristen evakuiert. Bis die zerstörte Bahnstrecke wieder aufgebaut ist, wird es nach Angaben Peru Rails mindestens 2 Monate dauern und solange wird Machu Picchu auch nicht zu erreichen sein.
Was mich persönlich an dem ganzen Wirbel stört, ist dass Machu Picchu und die Touristen, die sicher sehr gelitten haben, in der Presse breitgetreten werden, der Rest der Bevölkerung aber nicht ein bisschen erwähnt wird. Nicht nur in Machu Picchu bzw. Aguas Calientes hat es fürcherlich geregnet. Im Valle Sagrado – dem Heiligen Tal der Inkas – sind mehrere Brücken eingestürzt, Felder überflutet und Häuser zerstört. Südlich von Cusco existieren einige Dörfer praktisch nicht mehr. Hier haben Menschen, die schon vorher nicht viel hatten, den letzen Rest und ihre Heimat verloren. Mehr als 100.000 Peruaner büßten durch die Unwetter ihre Habe ganz oder teilweise ein. Rund 4600 Häuser und zahlreiche Brücken wurden beschädigt. 16′000 Hektaren Ackerland liegen unter Wasser. Allein im Valle Sagrado wurden rund 40 Hektar Mais zerstört.
Mindestens neun Peruaner und eine argentinische Touristin kamen durch Erdrutsche und Überschwemmungen ums Leben.
Für die Betroffenen wurde unter anderem bei Facebook eine Seite eingerichtet (CUSCO UNIDO CONTRA LA DESGRACIA!!). Dort findet man auch das Spendenkonto bei der BANCO DE CRÉDITO DEL PERÚ, das für die Geschädigten eingerichtet wurde.
Hier noch einige Videos:
Aguas Calientes/Machu Picchu + Valle Sagrado
Lucre, südlich von Cusco






Was mich persönlich an diesem Artikel stört ist, das nur über Cusco geredet wird. Dabei gab es auch in Puno und anderen Departementos Probleme. Außerdem liegt die Zentrierung auf Machu Picchu bzw. Aguas Calientes daran, dass wegen den Reiseveranstaltern niemand andere Departementos als Cusco kennt.
Lieber Alfonso
Dies ist ein Blog über Cusco und seine Umgebung. Worüber sonst sollte ich also schreiben. Zudem liegen mir zwar Informationen über weitere Gebiete vor, aber so vage, dass ich da ungern was schreibe.
Was die Zentrierung auf Machu Picchu betrifft, wird das wahrscheinlich immer so bleiben. Machu Picchu ist nun mal das “Must” jeder Peru Reise. Darauf konzentrieren sich die Veranstalter, wie du richtig sagst. Es sind von seiten Perus aber auch genug Bestrebungen im Gange andere Teile attrakiver zu machen.